An den letzten Tagen vor Weihnachten bieten die ReligionslehrerInnen der BBS Montabaur besondere Tageseinstiege an: Zeit zum Innehalten, Nachdenken, zur Ruhe kommen.
| Montag, 19. DezemberDas Paket des lieben Gottes ... Sein ganzer dünner Körper (er war sehr lang) krümmte sich sozusagen um das Zeitungsblatt zusammen, er bückte sein Gesicht tief darauf herunter und las. Niemals, weder vor‑ noch nachher, habe ich je einen Menschen so lesen sehen. Er verschlang das, was er las, einfach. Und dann schaute er auf. Und wieder habe ich niemals, weder vor‑ noch nachher, einen Mann so strahlend schauen sehen wie diesen Mann. Und dann lachte er. Und wir alle fingen plötzlich an, aus vollem Halse und fast aus dem Herzen mitzulachen, und dadurch kam ein großer Schwung in unsere Veranstaltung, die gewisse Bitterkeit war überhaupt vergessen, und es wurde ein ausgezeichnetes Weihnachten, das bis zum Morgen dauerte und alle befriedigte. |
| Dienstag, 20. DezemberEin Weihnachtsbaum im Schnee. Angedeutet in seiner Form, fließend in seinem Schwung. Aus der Ferne betrachtet verliert er seine Ecken und Kanten. Harmonie bestimmt die Wahrnehmung. "Weihnachten wird unter dem Baum entschieden." Weihnachten wird vielleicht nicht unter, sondern am Baum entschieden. Es entscheidet sich jedes Jahr neu. |
| Mittwoch, 21. DezemberEs war eine chinesische Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte und durch das Loch waren viele bunte Fäden gezogen und dann zu einem bunten Zopf zusammengeflochten. "Ein sehr alte Münze", sagte der chinesische Koch feierlich. "Und die Wollfäden gehört auch dir. Wollfäden sind von mir und meine Frau und von Zimmer-Kuli und sein Schwester und von Eltern und Brüder von Ofen-Kuli, von uns allen sind die Wollfäden." (...) Als ich die Münze einem Bekannten zeigte, der seit Jahrzehnten in China lebte, erklärte er mir, was es damit für eine Bewandtnis hatte: Jeder Wollfaden war eine Stunde des Glücks, die jeder von diesen erwähnten Menschen mir schenkte...
|