Auch Mädchen lieben Schweißgeräte

Mit mehr als 10 000 Angeboten erreicht der Girls' Day einen neuen Rekord

Möglichst vielen Mädchen Lust auf die Arbeit in vermeintlichen Männerdomänen machen – das war auch in diesem Jahr wieder das Ziel des bundesweit veranstalteten Girls' Day. Neben zahlreichen Einzelbetrieben des Westerwaldkreises nahm auch die Berufsbildende Schule Montabaur an dem Aktionstag teil. Sie hatte mehr als 120 Schülerinnen aus der gesamten Region eingeladen, sich in den Werkstatträumen der Einrichtung mit Ausbildern und Branchenvertretern kurzzuschließen und bei Interesse selbst Hand anzulegen. Zum Beispiel in der Kfz-Lehrwerkstatt von Frank Bauer, wo die Schülerinnen sich am Wechsel von Autoreifen versuchen durften. „Auch wenn sie jetzt nicht gleich Mechatroniker werden wollen, zeigen wir ihnen hiermit auch einmal ein Stück weit Alltagsrealität“, so der Lehrer.

Besonders stolz war Dorothea Samson, Koordinatorin der diesjährigen Ausgabe, auf die Teilnahme des Unternehmens Weldplus. Dieses hatte einen hochmodernen Simulator im Gepäck, mit dem die Besucherinnen sich ganz ohne Verletzungsgefahr beim Schweißen ihrer ersten Nähte ausprobieren konnten. „Eine gute neue Erfahrung“, meinte auch Maike Drescheng, nach dem sie den schweren Helm wieder von ihrem Kopf abgenommen hatte. Was sie beruflich definitiv nicht werden will, das weiß sie bereits: „Bloß nicht Friseur“, sagte die 14-Jährige. Julia Wünning ist da schon einen Schritt weiter: „Schweißen ist echt cool, und wenn man es ein paar Mal gemacht hat, bekommt man auch ein viel besseres Verständnis für das, was man da eigentlich verkauft“, ist die 20-Jährige überzeugt. Sie arbeitet für den Mündersbacher Gerätehersteller EWM als Industriekauffrau, übernimmt die Kundenberatung und erfasst Aufträge. Während der Mini-Messe demonstrierte sie zusammen mit Azubi Timo Beyer das Löten von Elektrokontakten.

Ein Nischendasein führen junge Frauen auch in den Schreinereien des Kreises. Ein Fakt, den man angesichts des Andrangs in Rolf-Rainer Soines Holzwerkstatt kaum glauben konnte. An den Werkbänken wird gebohrt und gehämmert, auf dass jeder am Ende ein eigenes Solitärholzspiel mitnehmen konnte. Der Beruf sei körperlich längst nicht mehr so fordernd wie noch vor ein paar Jahren, erklärte der Ausbilder. Viele moderne Maschinen unterstützen den Schreiner heute bei seiner Arbeit. „Meine Erfahrung ist zudem, dass die Mädels oft kreativer sind und kaum eine von ihnen die Ausbildung abbricht“, sagte Soine.

Andrea Sauer, Lehrerin an der Realschule Wirges war mit 37 Schülerinnen der Klassenstufen 7 bis 9 nach Montabaur gekommen. „Alle hoch motiviert“, wie sie beteuerte. Um möglichst alle von ihnen am Ende in eine Ausbildung zu bekommen, sei der Aktionstag ein wichtiges Zusatzangebot.

Westerwälder Zeitung vom Freitag, 28. April 2017

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