Geachtet statt verachtet – ein Besuch in der Suchtklinik Vielbach

Obwohl auch Alkohol eine Droge ist, gehört er schon fast zu unserem Alltag und gilt als „angesehene Gesellschaftsdroge“. Bei jeder Feier ist er ein wichtiger Bestandteil und für viele ist das Glas Wein oder die Flasche Bier zur Gewohnheit geworden. Doch für die Patienten der Fachklinik Vielbach ist schon der kleinste Kontakt mit Alkohol eine Erinnerung an die Vergangenheit und kann eine Gefahr für einen Rückfall darstellen. Wie es zu der Sucht kam und wie ihr heutiges Leben in der Therapie aussieht, haben zwei der Patienten uns, den Schüler_innen des Leistungskurses Psychologie 15 des BGY Gesundheit am 18.09.2017, bei unserem Besuch erzählt. Aufstehen, zur Flasche greifen, Kontakt mit Drogen und somit 14 Tage ohne Schlaf auskommen – so sah der frühere Alltag der Patienten Herr R. und Herr L. aus. Dennoch sind es zwei unterschiedliche Geschichten, die sie uns erzählten. Herr L. trank mit 13 Jahren das erste Mal Alkohol, schnell kam er zu Heroin und Amphetaminen. In Kontakt kam er damit durch seine Freunde. Er war schon im Gefängnis und mehrmals stationär in Therapie. Herr R. startet seinen vierten Anlauf für eine Therapie, jedoch das erste Mal in Vielbach. „Ich wünschte, ich wäre direkt hierhergekommen, dann wäre ich gar nicht erst rückfällig geworden.“ Meint Herr R.  In Vielbach werde sich vielmehr um einen gekümmert, da es mit 58 Plätzen eine kleine Klinik ist. Herr R. kam durch seine Familie in Kontakt mit Alkohol. Rückfällig wurde er, als er nach seiner Therapie in sein Umfeld zurückkehrte. Nach der Therapie will er sich eine Wohnung in der Umgebung suchen. Kontakt hat er nur zu dem jüngsten seiner drei Kinder.

Die Patienten führten uns auch über das Gelände und wir besichtigten Räume für Kreativtherapie, eine Sporthalle und Werkstätten für die Arbeitstherapie. Bei unserem Rundgang sahen wir Pferde, Esel, Ziegen, Hühner, Hasen und Meerschweinchen, da die tiergestützte Therapie eine Besonderheit in Vielbach ist. Durch Patenschaften übernehmen die Patienten Verantwortung und kümmern sich um die Bedürfnisse der Tiere, auch eigene Tiere können mitgebracht werden, dies ist sehr selten in Deutschland. Neben vielen Therapien wird mit den Patienten auch eine Zukunftsperspektive erarbeitet, niemand wird entlassen bevor eine Unterkunft und eine Tagesstruktur gegeben sind.

Uns hat der Besuch viele neue Einblicke eröffnet und Vorurteile abgebaut. Wir bedanken uns bei Herrn Becker, dem therapeutischen Leiter, und Herrn R. und Herrn L. für den interessanten Morgen, der bleibende Eindrücke hinterlassen hat.

Leistungskurs Psychologie 15 des Beruflichen Gymnasiums Gesundheit

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