Gedanken der Inklusion ganz bunt umgesetzt

Jeden Donnerstagnachmittag sind Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Montabaur zu Gast in der Katharina-Kasper-Schule (KKS) des Caritasverbandes Westerwald/Rhein-Lahn in Wirges. „Unsere Schüler freuen sich schon immer sehr auf diese Unterrichtstunden und machen ganz viele wertvolle Erfahrungen dabei“, sagen deren Lehrerinnen. KKS-Schulleiter Volker Vieregg freut sich besonders darüber, dass sich die BBS-Schüler in „seiner“ Schule so wohlfühlen. Nicht zuletzt als passionierter Künstler zeichnet der Schulleiter für das inklusive Kunstprojekt hauptverantwortlich.

Die Schüler der Klasse 11 des Beruflichen Gymnasiums (Fachrichtung Gesundheit und Soziales) und die der Berufsorientierenden Stufe 1 lernen in zwei Unterrichtsstunden spannende Kunstschwerpunkte kennen. Das Projekt basiert auf der Idee, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen beider Schulen zusammenzubringen; die Schüler nehmen freiwillig daran teil. Im Rahmen der Unterrichtsstunden beschäftigten sich die Teilnehmer bislang mit den unterschiedlichsten Kunstformen und Themen und arbeiteten schon mit diversen Materialien. So wurden beispielsweise schon Keilrahmen gespachtelt, und es wurde mit Sand gearbeitet. Oder die Teilnehmer malten Bilder im Stil von Jackson Pollock. Auch Bilder mit den Logos der beiden Schulen haben die Schüler schon gemeinsam angefertigt. So entstanden bereits tolle Kunstwerke, von denen viele jetzt das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Volker Vieregg und seine Kolleginnen arbeiten bei dem Projekt vor allem mit BBS-Lehrerin Alexandra Jochens und ihren Kollegen zusammen. Allerdings haben die Lehrer in diesem Fall keinen klassischen Lehrauftrag: „Die Schüler stehen im Mittelpunkt, sie sind dazu aufgefordert, auch mal zu experimentieren, einfach etwas zu versuchen. Wir Lehrkräfte agieren dabei eher unterstützend – quasi als Beobachter“, erklärt Vieregg.

Die Gruppe habe sich bislang sehr positiv entwickelt, betont der KKS-Schulleiter. „Zwischen den Schülern sind im Unterricht bereits viele tolle Beziehungen entstanden, die beispielsweise auch ein Arbeiten in Zweiergruppen ermöglichen.“ Auch bei den Schülern kommt das Projekt sehr gut an. Es startete mit einer zweiwöchigen Probezeit, während der die BBS-Schüler die Chance gehabt hätten, doch noch abzuspringen. Alle sind geblieben. „Auch das unterstreicht den Erfolg des Projektes“, so Vieregg zufrieden.

„Es macht riesigen Spaß und bringt Abwechslung in den normalen Schulalltag“, sagt etwa KKS-Schülerin Yvonne. Die 16-Jährige kommt bestens mit den Schülern der BBS Montabaur klar: „Die sind alle total nett, lustig und unterstützen uns. Ich finde den Kunstunterricht mit den Schülern der BBS immer super spannend“, schwärmt Yvonne, für die die Schüler der Katharina-Kasper-Schule allerdings die besseren Künstler sind: „Wir haben ja schon viel länger Kunstunterricht und deshalb einen besseren Blick dafür. Daher zeigen wir den BBS-Schülern schon manchmal, wie was funktioniert“, sagt die Wirgeser Schülerin mit einem verschmitzten Lächeln.

Berührungsängste gab es eigentlich von Beginn an keine – weder auf der einen noch auf der anderen Seite. „Nein, Berührungsängste hatte ich keine“, betont Anastasia. Die BBS-Schülerin hatte keine Ahnung, was sie erwartet, als sie sich für das Projekt gemeldet hatte. „Ich habe bislang aber nur positive Erfahrungen gemacht und komme sehr gerne hierher“, sagt die 17-Jährige, die später gerne im sozialen Bereich arbeiten möchte. Auch Sarah (18) fühlt sich als Gast in der KKS pudelwohl: „Hier herrscht stets ein tolles Klima, das ist echt eine super Schule hier.“ Auch sie hat keinerlei Berührungsängste: „Die KKS-Schüler sind alle super nett; und alle sind immer am Lachen, das steckt an und muntert, wenn man selbst mal schlechter drauf ist, sofort auf.“ Ihre Namensvetterin Sarah (18) fügt außerdem hinzu: „Das Projekt macht riesigen Spaß, gerade durch den Umgang mit den KKS-Schülern lernen wir etwas fürs Leben.“

Das Projekt wird im kommenden Schuljahr fortgeführt. Dann allerdings zum Teil mit anderen Schülern, weil einige der KKS'ler schon die Schule verlassen haben und von der BBS die neuen Elfer in das Projekt nachrücken. 

Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 22. Juli 2015, Seite 17

Nach oben

Leitet das drucken dieser Seite ein