Mit Schülern Gewalt thematisiert

Berufsbildende Schule in Montabaur und Partner haben Projekt ins Leben gerufen

Ein Antigewaltprojekt führte die Berufsbildende Schule in Montabaur (BBS) gestern zusammen mit dem Weißen Ring (Außenstelle Westerwaldkreis), dem Polizeipräsidium Koblenz, der Polizeiinspektion Montabaur, dem Frauenhaus Westerwald, dem Präventionsbüro Ronja in Westerburg und dem Jugendamt des Westerwaldkreises durch. Etwa 120 Schüler nahmen in fünf Projektgruppen an der Veranstaltung teil. „Dieses Anti-Gewalt-Training findet bereits zum achten Mal an unserer Schule statt“, sagte Karl-Heinz Scherer vom Schulleitungsteam im Gespräch mit unserer Zeitung.

Scherer und Wolf Hinrich Apel vom Weißen Ring hatten dieses Projekt organisiert, dessen Gruppen in diesem Jahr erstmals Klassen übergreifend zusammengestellt worden waren. „Die Mischung der Klassen hat sich positiv auf die Gruppenarbeit ausgewirkt“, betonte Wolf Hinrich Apel, der zusammen mit der Rechtsanwältin Sandra Buhr und Jürgen Nink vom Weißen Ring das Problem „Gewalt“ an Fallbeispielen bis zur Gerichtsverhandlung thematisierte. Die Sozialarbeiter an der BBS, Patricia Roberts und Wolfgang Rhensius, sowie Christoph Weidinger (Religionsunterricht an der BBS) verwiesen in ihrer Gruppe auf Deeskalationsmaßnahmen.

Wie sozial die sogenannten Sozialen Netzwerke sind, dieser Frage ging Michaela Weiß-Jansen vom Kreisjugendamt nach. Marlies Donnhäuser vom Frauenhaus Westerwald und Claudia Wienand vom Präventionsbüro Ronja machten deutlich, wie Gewaltdynamik in engen sozialen Beziehungen von der Harmonie zum Horror führt. Und über Zivilcourage referierten Gabriele Theis und Ralph Zöller vom Polizeipräsidium Koblenz beziehungsweise von der Polizeiinspektion Montabaur.

Was die Schüler beim Antigewaltprojekt erfahren hatten, das wurde bei der Schlussveranstaltung der Allgemeinheit vorgestellt. Martin Fertich und Jean Louis Lynen erläuterten den anderen Jugendlichen, wie in ihrer Gruppe das Thema Deeskalation anhand von Rollenspielen aufgearbeitet wurde.

„Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst“, war die Essenz, die die jungen Leute aus dem Themenspektrum „Social Network – alles so sozial?“ schöpfen konnten. Dass es nicht nur körperliche, sondern auch seelische und materielle Gewalt gibt, das erfuhren die Projektteilnehmer bei der Analyse von Gewaltpotenzialen. Der Tenor dieses Projektes: Nicht selten münden „in sich hineingefressene Probleme“ in Gewalt, und ein asoziales Verhalten von Eltern hat meist auch Einfluss auf die Kinder.

„Wer nichts tut, macht mit“. Mit diesem Slogan ruft die Polizei zur Zivilcourage auf. Beispiele, was der Einzelne bei der Wahrnehmung von Gewalttaten tun kann, das zeigten die Referenten der Polizei auf. Dabei war die oberste Prämisse: Helfen ja, aber ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Wolf Hinrich Apel war sich nach der Veranstaltung sicher, dass das Antigewaltprojekt des Weißen Ringes an der BBS Montabaur auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 10. November 2016, Seite 13

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