Gesundwerden in der Natur

Oder: Warum die Therapie „ab vom Schuss“ sinnvoll ist

 

Am 24. Mai 2018 besuchte der Leistungskurs Psychologie die Suchtklinik in Vielbach. Welche Eindrücke entstanden und warum die Therapie in der Natur sinnvoll ist. Ein Erfahrungsbericht von Kenneth Schäfer.

 

Zur gewohnten Schulzeit ging es für uns los. Das Navi führte uns auch, wie zu erwarten war, in privaten PKWs nach Vielbach. Triviale Sache.  Jedoch war in Vielbach selbst nichts zu sehen, keine Klinik, kein größeres Gebäude. Selbst das Fragen der Anwohnenden hat uns hier nicht weitergeführt. Nach einigem Suchen und mit 15 Minuten Verspätung von ca. Dreivierteln des Kurses stellten wir zu unserem Erstaunen fest, dass das Klinikgebäude „fernab vom Schuss“ relativ gut versteckt in sehr ruhiger Umgebung liegt. Feld drum herum, ein Sportplatz für die Patienten davor. Dieser erste Eindruck gab uns bereits einen Vorgeschmack auf die Angebote in der Suchtklinik.

Nachdem der Kurs also vollzählig war, begaben wir uns in eine Sporthalle, wo bereits der Psychologe Herr Becker auf uns wartete um uns mit Informationen über die Einrichtung zu versorgen. Es kämen Patienten mit allen möglichen Süchten, auch solche mit mehreren, hierher nach Vielbach. Außerdem würden lediglich Menschen aufgenommen, die bereits „clean“, also trocken und entgiftet seien.

Emotionaler wurde es, als Herr Becker uns drei Patienten vorstellte, sie sollten uns später, nach einer kurzen Vorstellung, über das Gelände führen. Danke an dieser Stelle für den freiwilligen Einsatz!

Eingeteilt in drei Gruppen ging es los. Unser Guide, Helmut, 56, führte uns zuerst in die Technikwerkstatt. Er selbst sei Techniker, habe also schon sehr viel Zeit hier mit dem Schleifen und Schweißen verschiedenster Materialien verbracht. Die Anwesenheit professioneller Maschinen macht dies für die Patienten möglich. Im selben Gebäude, eine Etage höher in der Bastelwerkstatt, konnten wir kunstvoll gestaltete Werke der hier lebenden Menschen aus ihren Aktivitäten betrachten. Schon an dieser Stelle war uns klar, dass es hier in der Natur in Vielbach, vielfältige und individuelle Therapieansätze gibt.

Nach der Besichtigung des Fitnessraumes ging es zu einem rieseigen Areal, welches für die dort lebenden Tiere reserviert war. Es wurde immer idyllischer. Hühner und Truthähne liefen auf den Wiesen. Hasen, Meerschweinchen und Co. lebten in von Patienten errichteten, extra großen Ställen. Private Hunde der Patienten waren auch in solchen untergebracht. Weiden mit Eseln und Pferden, deren Zäune von Helmut errichtet worden waren, trugen zu der Atmosphäre bei. Selbst in unserer ganzen Gruppe wurde es stiller. Die Natur wirkte völlig entspannend, ganz automatisch.

Nach einem etwas längeren Aufenthalt bei den Tieren, die uns auf magische Art und Weise anzogen, warteten wir wieder auf die Gruppen vor der Sporthalle. So hatten wir noch Zeit, uns mit Helmut intensiver auszutauschen. Er sei, aufgrund seiner Alkoholsucht, Frührentner, wie er berichtete. Sein inzwischen fünfter Therapieversuch sei hier in Vielbach der aussichtsreichste. Er redete so offen und sympathisch mit uns über sein Leben, wie viele Menschen ohne psychische Krankheit dies nicht schaffen würden.

Nachdem sich unsere Gruppen wieder zusammengefunden haben, sammelten wir uns wieder in der Halle für ein Abschlussfeedback mit einer abschließenden Fragerunde an die Patienten und den Psychologen.

Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns noch einen Eindruck über das Therapieangebot der Klinik verschaffen. Wie schon erwartet, war selbiges sehr breit gefächert. Von der Musik- bis zur Sport- und von der Technischen- bis zur Therapie mit Tieren war vieles vertreten. Und genau dieses Therapieangebot, in Kombination mit der umgebenden idyllischen Natur und deren Tiere und Pflanzen, macht die Klinik in Vielbach so besonders. Das automatische Beruhigen und Entspannen neben der Tätigkeit, der ein Individuum am liebsten nachgeht, scheint sehr effektiv für einen Therapieerfolg. Zwischen Tieren, Natur und sinnvoller Beschäftigung steht in Vielbach die psychische Genesung.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei dem Fachkrankenhaus in Vielbach für die aufgewendete Zeit und Mühe und selbstverständlich bei den Patienten, die uns ihre Klinik ein Stück näher bringen konnten.

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